Hilfe, mein Kind ist noch im Kindergarten und interessiert sich für Buchstaben! Was soll ich machen?

Zunächst einmal Ruhe bewahren!

Dein Kind hat sich schon viel früher auf das Lesen Lernen vorbereitet als du vielleicht denkst.

Das Lesen lernen beginnt bereits mit dem „so tun als ob“ Vorlesen. Du hast dein Kind vielleicht schon einmal dabei beobachtet wie es seinem Stofftier ein Buch „vorliest“? Hat dein Kind dir schon einmal einen „Brief“ geschrieben mit Wellenlinien, oder Formen und Gekritzel, die eine Schrift darstellen sollen?

Fachleute sprechen häufig von sogenannten „offenen Phasen“ in der Entwicklung unserer Kleinen und dein Kind zeigt gerade ein gewisses Lerninteresse an Buchstaben und befindet sich gerade ein einer dieser „offenen Phasen“, dass ist toll und muss nicht gebremst werden. Ich habe schon einmal ein 3 jähriges Kind kennen gelernt, dass von seiner Mama immer wieder wissen wollte wie die Buchstaben heißen. Die Phase endete nach ca. 2 Monaten und das Kind zeigte dann erst wieder Interesse an Graphemen mit ca. 5 Jahren.

Um das Lesen und Schreiben zu lernen benötigt dein Kind eine Handlungskompetenz, außerdem muss sich das Körperschema entwickeln. Mit ca. 2- 2 1/2 Jahren hat dein Kind vermutlich zu Kritzeln begonnen und das Wörtchen „Ich“ zum ersten mal benutzt. Die Vornummerischen Kategorien (Menge, Größe, Form, Raum, Gewicht und Reihenfolgen) haben sich bei deinem Kind durch Spiel und auf der Basis von Erfahrungen entwickelt und bilden einen weiteren wichtigen Baustein hin zum Lesen lernen.

Damit dein Kind Lesen und Schreiben in der Schule leicht lernt, benötigt es Unterstützung. Folgenden Maßnahmen können sich positiv auswirken:

• Achte auf die verbale Ausdrucksfähigkeit deines Kindes. Im Alter von 5 Jahren sollte dein Kind mit der Umwelt in klaren Sätzen und mit richtiger Aussprache kommunizieren können

• Führe die gesamte Vielfalt der Spielformen in den Alltag deines Kindes ein. Technik-Spiele, die motorische Fähigkeiten und visuell-räumliche Wahrnehmung entwickeln, Spiele mit Regeln, die zur Regelakzeptanz führen, Puzzle und Malen, Rollenspiele und ausreichend Bewegung in der freien Natur

• Beziehe dein Kind in den Alltag mit ein

• Stelle Regeln auf und halte sie ein, das gibt deinem Kind Sicherheit

• Dinge, die dein Kind selbstwirksam erledigen kann, soll es auch erledigen (An-und Ausziehen, Aufräumen, Tischdecken)

• Motiviere dein Kind mit Spaß beim Lernen!

Jedes Kind lernt zu einer bestimmten Zeit, zu seinem, individuell richtigen Zeitpunkt neue Dinge. Das Interesse für Buchstaben gehört dazu und diese Neugierde muss absolut nicht gebremst werden. Geh auf dein Kind ein, hör ihm zu und biete Hilfe und Antworten auf Fragen. Genieße diese Entwicklung und begegne diesem Schritt mit Offenheit, denn du bist das wichtigste Vorbild für dein Kind und dein Kind wird dein Verhalten in der Zukunft imitieren.