Warum zeigt mein Kind kaum Interesse an Büchern?

Im Alter von etwa einem Jahr können Kinder mit den abgebildeten Gegenständen noch wenig anfangen. Das Leben ist für ein Kind spannender als eine Abbildung davon. Der kleine Lastwagen im Spielwarenladen fasziniert mehr als ein großer Kran auf einem Foto.

Sie haben das Prinzip des Bildsymbols zu dieser Zeit noch nicht erfasst. Die Zweidimensionalität der Abbildung verhindert es, dass sie das Ding, das sie sehen, anfassen können. Also interessiert es sie nicht mehr. Nur das Buch selber interessiert sie, denn das kann man anfassen, herumblättern und in den Mund stecken.

Dabei können bereits Säuglinge unter sieben Monaten Gesichter, die sie gesehen haben, auf Fotos wieder erkennen. Auf dieser Entwicklungsstufe wird jedoch noch nicht die Zeichenfunktion (Zeichen) von Bildern verstanden.

Noch neun Monate alte Kinder fassen Objekte in Büchern so, als ob sie heraus geholt werden können und behandeln sie wie reale Gegenstände. Mit ca. 1,5 Jahren reagieren sie dann mit Zeigegesten (DeLoache, 2004). Sie verstehen, dass Bilder einerseits zweidimensionale Zeichnungen sind, die gleichzeitig reale Gegenstände abzubilden vermögen. Es bedeutet einen großen Schritt in der Entwicklung des Denkens. Nun kann ein in der Realität kreisrunden, dreidimensionaler Ball in der flachen, zweidimensionalen Abbildung wieder erkannt werden.

Mit Bilderbüchern entdecken Kinder die Symbolebene. Das ist die Voraussetzung, um später das Prinzip der Schrift verstehen zu

können. Nun verstehen Kinder auch, dass eine auditive Benennung eines Bildes sich sowohl auf das Bild als auch auf den abgebildeten Referenten bezieht. Dies gelingt umso besser, je realistischer das Bild ist.